Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Amateurfunk am MWG – Europatag der Schulen
Mikrofon nahe an den Mund, Knopf drücken und dann los: “CQ CQ CQ (gesprochen „see kiu“= „seek you“) Delta November Nine Charly Romeo, Delta November Nine Charly Romeo, Delta November Nine Charly Romeo, QRZ“. Dann warten, hören. Ist jemand QRV (empfangsbreit)? Wird unser Ruf beantwortet? Rauschen… Nochmal von vorne CQ CQ CQ…. Und dann nach ein paarmal kommt wirklich die ersehnte Antwort: „Delta November Nine Charly Romeo – Delta Foxtrott Null Alpha India Sierra hört.“ Der erste hat angebissen. Ab jetzt haben wir vier Stunden Zeit, um so viele Funkkontakte wie möglich aufzubauen. Dabei bekommen wir mehr Punkte, je weiter der Kontakt geographisch entfernt ist, und am Schluss werden die Gesamtpunkte mit der Anzahl der Länder, zu denen wir Kontakt aufbauen konnten, multipliziert.
Aber von vorne. Der Schüler Jakob Rumpler Q11 hat ein außergewöhnliches Hobby. Er macht eine Ausbildung zum Funkamateur. Dazu besuchte er den Amateurfunkkurs beim DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) im Ortsverband Bayreuth (B06) und hat so den Kontakt hergestellt. Unsere erste Station im Log, DF0AIS, ist die Station des Arbeitskreises Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e.V., dem Organisator des Europatags der Schulen. (Link am Ende des Dokuments) Dieser Verein veranstaltete am 5. Mai zum 24. Mal den Europatag, an dem Schulen dazu aufgerufen sind Funkstationen zu betreiben, um miteinander zu kommunizieren. Wie oben schon erwähnt gibt es dabei einen Wettbewerb um die meisten Punkte und das MWG-Bayreuth war dieses Jahr zum ersten Mal vertreten.
Bereits am Nachmittag des Vortags besuchten uns Christian Riede, Rufzeichen DB9CR, und Friedrich Bär, Rufzeichen DL4NAX, die diesen Europatag dankenswerterweise mit uns bestreiten wollten. Die beiden hatten alle technischen Geräte und das Knowhow dabei und so bauten wir gemeinsam auf. Eine 40m lange Antenne wurde kurzerhand an Schnüren hoch in die Bäume im Schulhof gezogen und in etwa zehn Metern Höhe aufgehängt. Mit einem Antennenmessgerät wurde die Resonanzfrequenz vermessen – wir hatten die benötigte Länge des Drahtes auf Anhieb richtig getroffen. Nun noch ein Koaxialkabel zur Verbindung zwischen Antenne und Funkgerät – schon war die Amateurfunkstation betriebsbereit. Gefunkt wurde im vor allem im 40m-Amateurfunkband bei 7Mhz, aber auch im 20m-Amateurfunkband bei 14Mhz. Laut Ausschreibung erlaubt wäre auch das 80m-Band gewesen (3.5MHz), aber aufgrund der tagsüber eher schlechten Ausbreitungsbedingungen auf diesem Band haben wir uns in der Praxis auf 40m und 20m beschränkt.
Schon am Donnerstagabend konnten ein paar Bewohner unseres Internats erste Funkverbindungen aufbauen. Technisch alles kein Problem – wie sich schnell herausstellte, steckt die Herausforderung in den Betriebsverfahren. Was muss ich sagen, was hat der andere geantwortet und was muss ich jetzt als nächstes tun – knifflig, wenn man es zum ersten Mal macht. Aber nach der Devise zunächst zuhören und dann einfach selbst machen hatten alle schnell den Dreh raus.
Am nächsten Tag um 11 Uhr starteten wir dann mit dem Wettbewerb. Nach ein paar technischen Feinjustierungen kam der erste Kontakt erst um 11:36 Uhr zustande, dann ging es aber meisten recht schnell hintereinander. Rund um den Pavillon im Pausenhof standen bis nach 15:00 Uhr viele Schüler und lauschten gespannt, ob der nächste Kontakt bald kommt, hörten zu mit wem gerade gesprochen wird, und informierten sich über verschiedene Aspekte des Funkens. Über zwanzig verschiedene Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 18 Jahren trauten sich, selbst das Mikrophon in die Hand zu nehmen und sich durch das ungewohnte Funkprotokoll durchzuarbeiten. Mit dem Gegenüber wurde neben dem Rufzeichen (unseres war DN9CR) mindestens auch der Name, der Ort, ein sog. Locator – ebenfalls eine Buchstaben-Zahlen-Kombination – und die Signalstärke ausgetauscht. Zudem wird unter Funkern teilweise mit Buchstaben- oder Zahlenkombinationen (CQ, QRZ, QRX, QSL, 73), deren Bedeutungen „Wer ist da?“, „Bitte warten!“, „Bestätige Empfang“ oder „Schönen Tag noch.“ kommuniziert – Verwirrung ist vorprogrammiert. Waren diese Hürden überwunden konnte man sich ganz ungezwungen unterhalten, über das Wetter, die technische Ausstattung, warum man gerade funkt und vieles mehr.
Die Stunden vergingen wie im Flug, immer neue Interessierte Schülerinnen und Schüler kamen und gingen, manche blieben auch mehrere Stunden oder sogar die vollen vier Stunden dabei.
Am Ende hatten wir 35 andere Funkstationen in Deutschland, Österreich, Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Polen im Log. Besonders knifflig war der Kontakt nach Frankreich. Wir konnten uns in eine sehr gut organisierte Gesprächsrunde in französischer Sprache einklinken, wurden in die Liste der Sprecher aufgenommen und später aufgerufen. Ein Funkkontakt nach Australien kam beim Ausprobieren außerhalb der Wertung zustande. Mal sehen zu welchem Platz die erzielten Punkte reichen werden.
Christian Rieder vom DARC war durchweg begeistert von dem Interesse und auch dem Mut der Schülerinnen und Schüler, selbst das Mikrofon in die Hand zu nehmen und mit völlig unbekannten Menschen per Funk Kontakt aufzunehmen. „Der Tag hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.“ Er bedankte sich bei Herrn Kammerer und Jakob für die Zusammenarbeit und hofft nun, bei so manchem Interesse geweckt zu haben. Der Verein bietet regelmäßig Kurse an in denen Interessierte die Kompetenzen erwerben können um dann die Amateurfunkprüfung ablegen und selbstständig funken zu können. Wer noch schneller das Mikrofon wieder in die Hand nehmen will, kann dies am Field-Day des DARC am 22.7.23 tun.
Das MWG bedankt sich bei dem DARC, Jakob, Christian Rieder und Friedrich Bär für die unkomplizierte Organisation und die freundliche Zusammenarbeit. Wir hoffen auch im nächsten Jahr mit unseren Schülerinnen und Schüler wieder auf Punktjagd gehen zu können.
Danke für die gelungene Aktion, besonderen Dank an alle Schülerinnen und Schüler, die diese Aktion spontan zu einem Erfolg gemacht haben! 73 de DN9CR MWG Bayreuth
Links:
- https://www.darc.de
- https://www.darc.de/der-club/distrikte/b/ortsverbaende/06/
- https://www.darc.de/der-club/distrikte/b/ortsverbaende/06/kalender/
- https://www.aatis.de/content/europatag_2023

