Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Die 9a „Draußen vor der Tür“ (oder dem Hauptportal)
Annäherungen der Klasse 9a an „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“
Eine erschütterte Alte, an „die keiner mehr glaubt“ und die um ihre Kinder trauert, weil sie es „nicht ändern“ kann, dass sich diese zu „hunderttausend“ massakrieren. Ein/e Beerdigungsunternehmer/in, „der neue Gott“, an dem/der „keiner vorbei“ kommt, die/der „gut gelaunt“ ist. Ein „Merkwürdiger Fall“, „der hier eben plumps gemacht hat“, aber „bei Blankenese wieder auf den Sand“ geworfen wird. Ein Fluss, der „weder romantisch noch süßduftend“ ist und ein „armseliges bisschen Leben“ dessen, der „keine Lust mehr hat“, nicht will.
Die Figuren Gott, Tod, Beckmann und die Elbe gehören in „Vorspiel“ und „Traum“ aus Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. Eine eindrucksvolle Interpretation dieser Vier gelang der Klasse 9A im Zuge eines mehrstündigen Kostümbild-Workshops. Dieser wurde von unserem Alumnus Julius Semmelmann, der mittlerweile auf eine sehr erfolgreiche Karriere als Kostüm- und Bühnenbilder zurückblicken kann, geleitet.
Zu Beginn wurde in einer ersten Reflexionsphase über den gelesenen Text gesprochen und die verschiedenen Wirkungen, die das Stück, das für Neuntklässler durchaus herausfordernd ist, hervorgerufen hatte. Auch unterschiedliche Vorstellungen, wie die Charaktere anzulegen und auszustatten sein könnten, wurden bereits geäußert. Dabei stellte sich heraus, dass Tod, Gott, die Elbe und Beckmann für viele interessante Rollen sind, mit denen man sich befassen könnte.
In der sich anschließenden arbeitsteiligen Gruppenarbeit ging man an die Umsetzung der verschiedenen kreativen und intelligenten Ideen, die zeigten, dass die jungen Menschen die Rollen und das Stück verstanden hatten. Sowohl Lehrkraft als auch Bühnenprofi waren beeindruckt. Besonders lobenswert ist auch die Verlässlichkeit der Klasse: Es wurden zahlreiche gut ausgewählte Kleidungsstücke und Accessoires von zuhause mitgebracht, sodass in sehr kurzer Zeit ein Kostümbild erstellt werden konnte, das auf der MWG-Freitreppe – draußen vor dem Hauptportal – seine Wirkung erzielte. Aber auch große Häuser könnten sich hiervon Anregungen holen.
Dass das Unterfangen einer Lektürebegegnung der anderen Art erfolgreich durchgeführt werden konnte, ist zum einen der Klasse zu verdanken, die den ungewohnten Weg mitgegangen ist, zum anderen aber auch der Begeisterung von Julius Semmelmann, dem wir an dieser Stelle ganz herzlich danken wollen.
Maresa Olschner
Hinweis zu den Fotos: Die hier zu sehenden Bilder zeigen die Genese des Bühnenbildes. Die Inszenierungsfotos folgen demnächst.

