Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Mathematik zum Anfassen
Dass Mathematik nicht immer nur stummes Rechnen ohne praktischen Bezug ist, hat jede/r schon mal gehört oder ausprobiert. Trotzdem kommt es im Unterricht oft aus Zeitgründen zu kurz. Wie kann man dem Abhilfe schaffen? Wo haben SchülerInnen besser Zeit für Aktionen, die nicht direkt im Lehrplan stehen, als in der ersten Schulwoche? Genauer gesagt, in der allerersten Schulwoche an der neuen Schule. Vom 14. Bis 16. September wurden alle neuen FünftklässlerInnen für eine Doppelstunde in die Aula gebracht. Dort begrüßten wir, das P-Seminar „Mathematik zum Anfassen“, sie freundlich und schickten sie dann in eine Doppelstunde basteln, ausprobieren, rätseln und tüfteln. Insgesamt zwölf Stationen konnten die jungen Schülerinnen und Schüler ablaufen und verschiedene mathematische Phänomene an praktischen Beispielen entdecken.
So konfrontierte sie an einer Station ein Schüler mit einer Behauptung zum Satz des Pythagoras. Um ihm stichhaltig widersprechen zu können – oder es zumindest zu versuchen – klappten sie seine Legokonstruktion auseinander und wieder zusammen und zählten die einzelnen Steinchen ab. Letztendlich mussten sie ihm zustimmen, lernten dadurch aber anschaulich, was der so berühmte Satz aussagt.
Eine weitere geometrische Formel erschlossen sie sich durch Mandarinenschalen. Mithilfe von Zirkel und Messschieber wurden Kreise gezeichnet und insgesamt vier davon mit der Schale einer Mandarine ausgelegt. Fügt man noch ein bisschen Wissen aus der 8. Klasse hinzu, ergibt sich die Oberflächenformel für die Kugel.
Geometrisch wurde es auch beim zeichnerischen Bestimmen des Schwerpunktes von zweidimensionalen Figuren mit Hilfe eines Holzgerüstes, das extra entwickelt wurde. Durch einfaches Zeichnen und Verbinden von Linien bekamen die Schülerinnen und Schüler einen kleinen Eindruck von dem, was sie in naher Zukunft im Mathematikunterricht erwartet.
Auch ein Vorwissen zum Erstellen und Lesen von Diagrammen bekamen sie bei einer Station unter Zuhilfenahme einer extra dafür gehäkelten Schichttorte vermittelt.
Natürlich kamen auch die Knobel-Fans nicht zu kurz. Ob beim Tangrampuzzle (Legen von großen geometrischen Figuren aus verschiedenen kleinen), beim Befreien einer Münze aus einem aus Holstäbchen gelegten Kelch, ohne dessen Form zu verlieren und ohne die Münze dabei zu bewegen, oder beim Bau eines Würfels aus kleineren Würfeln.
Genauso kann ein Würfel auch aus 6 kleineren Papier-Quadraten entstehen. Oder man nimmt die doppelte Anzahl und faltet daraus ein Oktaeder. An der nächsten Station waren es Papierstreifen, die erst geklebt und durchgeschnitten wurden. Wie bereits der Mathematiker Möbius erkannt hat, bleibt es durch die richtige Drehung trotzdem bei nur einem kompletten Streifen.
Sogar das nicht gerade leicht erschließbare Paradoxon von Curry wurde behandelt! Wie kann man wohl Formen, die ein zu 100% ausgefülltes Dreieck bilden so Umlegen, das am Ende immer noch ein solches vorhanden ist, aber dennoch ein kleines Quadrat in ebendiesem Dreieck fehlt?
Die mit Abstand schwerste Station war der „Turm von Hanoi“. Hier mussten die Kinder durch gezieltes Umstecken der Ringe einen einzigen Turm bilden, bei dem die Ringe von unten nach oben in gleichmäßigen Schritten immer kleiner werden.
Kamen Fragen auf, halfen wir Älteren. Jede Seminarteilnehmerin, jeder Seminarteilnehmer hat eines der kleinen Exponate gebastelt, mitsamt zugehöriger Anleitung.
Nachdem der Tag der offenen Tür im Frühjahr nicht in gewohnter Form stattfand, konnten wir erst ein halbes Jahr später unsere Werke in den Praxistest schicken.
Eileen Eckert, Josef Gothart (Q12)

