Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Tanzen wie Wilhelmine
Während Frau Schina souverän am Spinett intoniert, müssen die Tänzerinnen noch ein wenig an der Zielform arbeiten. Aber dank des Engagements der Mitarbeitenden des „Forschungsinstituts für Musiktheaterwissenschaft“ der Universität Bayreuth haben wir schon erste Schritte gemacht und gelernt, was ein barocker Kontratanz ist. Laut Frau Dr. Silvia Bier, die acht Freiwillige in diese besondere Form der Kommunikation, denn darum handelt es sich, einwies, war es auch zu Zeiten der Markgräfin Wilhelmine normal, dass der eine oder die andere in die falsche Richtung lief oder sich die Schrittfolge nicht ganz eingeprägt hatte. Das gemeinsame Kichern schien auch Mitte des 18. Jahrhunderts dazu zu gehören, wie die Wissenschaftlerin erläuterte, die sich mit barocker Tanzkultur befasst und entsprechende Berichte dazu kennt.
Doch der Reihe nach: Am Dienstag, dem 29.07.2025 machten sich die Klassen 9a und das P-Seminar „Oberstufenkonzert“ auf den Weg nach Thurnau. Im dortigen Schloss residiert nämlich das o.g. Forschungsinstitut. Ohne die zahlreichen Eltern der 9a, die bereit waren, die Jugendlichen zu transportieren, wäre das Unterfangen nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank dafür!
Frau Dr. Silvia Bier, die Geschäftsführerin des Instituts und Herr Julius Hauth, wissenschaftlicher Mitarbeiter, erläuterten den Schülerinnen und Schüler zunächst, wie umfassend die Forschungsgegenstände des Instituts sind. Neben allen Arten von Oper werden auch Operette und Musical erforscht, wobei die Forschungsfragen sehr breit gefächert sind. Auch das Quellenmaterial erstaunte. So erfuhren wir, dass z.B. alte VHS-Kassetten mit Aufnahmen von Aufführungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wichtiges Medium für die Forschenden sind, was nachvollziehbar war. Welche Bedeutung Programmhefte, an die wir nicht gedacht hatten, für die wissenschaftliche Forschung haben, war uns vorher nicht klar. Auch wurde darauf hingewiesen, dass es sehr geringe Abbrecherquoten in dem Studiengang gibt und die Absolventen auch abseits der Forschung im Kulturbetrieb gute Karrierechancen haben.
Der Höhepunkt der Exkursion war aber die Auseinandersetzung mit dem so. „Thurnauer Tanzbüchlein“, welches Fr. Dr. Bier erforscht hat. Die Besonderheit besteht darin, dass Noten und Schritte dieser barocken Kontratänze erhalten sind, was in der Regel nicht der Fall ist. Entweder man hat eine Quelle mit Tanzfiguren oder man hat eine mit Noten. Auch erläuterte Frau Dr. Bier mit welcher detektivischen Kleinarbeit sie die Autorschaft und die Entstehungszeit eingrenzen konnte. Es ist davon auszugehen, dass das „Thurnauer Tanzbüchlein“ aus der Zeit der Markgräfin Wilhelmine stammt und aus der Feder einer adeligen Person im Umfeld der Familie Giech stammt. Es ist also wahrscheinlich, dass diese Art der Kontratänze auch am Bayreuther Hof zelebriert wurde.
Für die vielen interessanten Einblicke in Studium, Forschung und beruflichen Möglichkeiten sowie den tänzerischen Ausflug in die Zeit unserer Namenspatronin bedanken wir uns bei allen Beteiligten herzlich.
Gertraud Schina
Maresa Olschner

