Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Ukrainische Schülerinnen und Schüler MWG – Erfahrungen
Seit nunmehr über einem Jahr besuchen circa 20 SchülerInnen aus der Ukraine das MWG. Von Beginn an wurden sie in Klassen ihrer Altersstufe integriert, nehmen am regulären Unterricht teil und bekommen nachmittags in eigens eingerichteten Kleingruppen Deutschunterricht. Zusammen bilden sie die Brückenklasse des MWG. Unsere Schule hatte Glück, mit Stepan Kuts, der an der Uni Bayreuth gerade sein Studium beendet hatte, einen kompetenten und engagierten Lehrer für Deutsch als Zweitsprache zu gewinnen. Die anfänglichen sprachlichen Barrieren wurden schnell überwunden und die Kinder sind jetzt fest in die Klassengemeinschaft integriert. Sie nehmen an Schulfahrten und Exkursionen teil und werden aktiv in die Unterrichtsgestaltung mit einbezogen. Es ist immer wieder bewundernswert, wie offen und ungezwungen alle Schülerinnen und Schüler miteinander umgehen.
Fiona R., Klasse 5c, berichtet Folgendes:
„Anfangs war es ehrlich gesagt schon ungewohnt, langsam und deutlich sprechen zu müssen, damit unsere neuen ukrainischen Klassenkamerad*innen uns auch gut verstehen können. Aber es hat immer geklappt und mittlerweile können wir uns auf Deutsch super verständigen; wir deutschen Schüler*innen haben sogar ein paar ukrainische Wörter gelernt. Ich bewundere Tymur, Zlata, Melaniia und Anna dafür wie fleißig sie sind; vormittags besuchen sie unseren normalen Unterricht und nachmittags ja zusätzlich noch ihre Deutschkurse bei Herrn Kuts. Das bewundere ich sehr. Wir sind froh, dass sie bei uns in die Klasse gekommen sind Eine Klasse 5c ohne sie wäre un – vor – stell – bar. 😊
Und auch Anna Holovchenko, ursprünglich aus der Region Donezk, besucht seit einiger Zeit die Klasse 5c. Im Zuge eines schulischen Projekts zusammen mit ihrer Heimatschule in der Ukraine schreibt sie:
„Hallo. Die ganze Welt weiß, dass in meinem Land Krieg herrscht, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung gestorben ist oder vertrieben wurde. Es schmerzt mich und alle anderen Ukrainer, wenn sie sich an ihre Heimat und ihr früheres Leben zurück erinnern, wenn sie an die tapferen Männer und Frauen denken, die jeden Tag an die Front gehen, um unsere Freiheit und unser Land zu verteidigen. Die Ukraine und ihre Bevölkerung haben oft schon Dinge hingenommen, die nicht hätten passieren dürfen. Die Überschwemmung in Cherson ist zusätzlich sehr schwierig für die Bevölkerung, Minen schwimmen im Wasser, Häuser werden weggerissen und eine Welle rollt direkt auf das Chemiewerk zu, und wenn diese Welle das Werk trifft, wären die Folgen gleichbedeutend mit einer Atomexplosion. Die Menschen, die geflüchtet sind, müssen das nicht direkt miterleben: sie sehen nicht die Häuser, die im Kreis Cherson auf dem Wasser zu schwimmen begannen, die Ukrainer, die sich unter russische Panzer legten ohne sie durchzulassen, die Leichen, die an der Front gefallenen Soldatinnen und Soldaten und sie sehen auch nicht die einst mit Leben und Lachen gefüllten Häuser, die zu Ruinen wurden. Mit diesen Zeilen möchte ich allen Ländern, die Ukrainer aufnehmen, ein großes Dankeschön sagen. Danke, dass Sie uns die Möglichkeit geben, neue Sprachen zu lernen, eine Unterkunft zu haben und neue Bekanntschaften zu machen. Danke, dass ich nicht in einem kalten Keller wohnen und nicht befürchten muss, dass eine Bombe mein Haus in die Luft jagt. In meiner ersten Schule in Deutschland demütigte mich meine Klasse jeden Tag, weil ich nicht aus ihrem Land komme, sie schrien mich an, weil ich ihre Sprache nicht gut sprach. Die Lehrer machten nichts dagegen. Aber hier am MWG war die Klasse 5c sehr nett und freundlich zu mir; vom ersten Tag an. Ich fühle mich hier sehr wohl. Die 5c ist wahrscheinlich die beste Klasse, die ich je hatte.“
Wölfel-Tinter

