Berichte
aus dem Bereich Modellklassen für Hochbegabte
Begabungsförderung für alle – 10-jähriges Jubiläum der Kompetenzzentren in Bayern
Vor rund 10 Jahren wurden acht Gymnasien in ganz Bayern verteilt zu Kompetenzzentren gekürt und das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium ist eines davon. Es brachte damals schon Einiges an Erfahrung im Bereich der Begabtenförderung mit, weil es bereits seit acht Jahren die sogenannten Modellklassen für Kinder mit besonderen Begabungen angeboten hatte. Dann folgte eine gemeinsame Vorbereitungszeit von knapp zwei Jahren. Man überlegte sich zusammen mit der Karg-Stiftung und dem Verein Evocation (beide beschäftigen sich mit Begabtenförderung) ein Konzept, wie wir Begabung erkennen und gezielt fördern können.
Zu diesem Jubiläum lud das bayerische Kultusministerium nach München ein. Mit einer festlichen Rede empfing Ministerialrat Robin Pantke, der die Kultusministerin Anna Stolz vertrat, die Teams der acht Kompetenzzentren. Das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium wurde durch Schulleiterin Elisabeth Götz, Martin Kelz als Koordinator für Begabtenförderung, Claudia Klein als Gestalterin der individuellen Lernpfade und Johannes Monsch als erfahrenem Klassleiter für Modellklassen der Unterstufe vertreten.
Einen besonderen Impuls setzte der Vortrag von Prof. Dr. Tanja Gabriele Baudson von der privaten Charlotte Fresenius Hochschule (University of Psychology). Sie beschäftigte sich mit der Frage, was Begabung eigentlich mit den Begabten macht. Zum Beispiel kam sie zu dem Schluss, dass Begabung nicht mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Belastungen positiv korreliert. Wie erfolgreich Begabung gefördert werden kann, hängt neben individuellen Faktoren vor allem von der Motivation, der Unterrichtsqualität und dem familiären Hintergrund ab. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Erfüllung der Grundbedürfnisse: Kompetenz, Verbundenheit und Autonomie. Sie betonte auch, dass Begabung mit einer großen Verantwortung einhergeht, weil sie ein mächtiges Werkzeug ist, mit der man auch Schaden anrichten könnte. Deshalb sollen neben den Begabungen auch Solidarität, Resilienz und das Engagement für andere gestärkt werden. Begabungsförderung umfasst eben nicht nur die Entwicklung fachlicher Fähigkeiten, sondern auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Das MWG sieht sich als Schule der Person.
Damit das Konzept der Begabtenförderung nicht nur den ohnehin schon privilegierten Kindern zugutekommt, werden Ideen aus dem Unterricht mit Modellklassen auf die Regelklassen übernommen. Somit profitieren alle von der Arbeit im Kompetenzzentrum.
Die Jubiläumstagung bot den acht Kompetenzzentren Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven für die schulische Praxis zu entwickeln. Für das MWG ist sie zugleich Ansporn, die eigene Expertise weiterhin mit den Gymnasien Oberfrankens in Form von Impulstagen zu teilen und stets neue Ansätze der individuellen Förderung zu entwickeln und auszuprobieren.
Zehn Jahre Kompetenzzentren stehen damit nicht für den Abschluss eines Projekts, sondern für einen fortlaufenden Entwicklungsprozess. Begabungen zu erkennen, individuelle Lernwege zu eröffnen und junge Menschen zu verantwortungsbewusstem Handeln zu befähigen, bleibt eine gemeinsame Aufgabe. Das MWG trägt dazu bei, dass diese Ziele in den Modellklassen ebenso wie im regulären Unterricht und in der regionalen Zusammenarbeit Gestalt annehmen.
